Eine der Chancen, die das Zusammenleben im Stamm bietet, ist gemeinsam seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Eine unlängst geführte Diskussion hat mir allerdings gezeigt, dass Begriffe wie „Wirtschaften“, „Arbeiten“, „Geld verdienen“ usw. recht negativ besetzt sind, als etwas, dass uns quasi vom System aufgezwungen wird und das wir so bald wie möglich hinter uns lassen sollten …
Da scheint mir jedoch ein grundlegender Irrtum vorzuliegen. Denn jede Gesellschaft – egal ob nun Stammes- oder kapitalistische – wirtschaftet, aber sie unterscheiden sich im Grad der Ausbeutung ihrer Mitglieder. Akkumuliert sich im kapitalistischen Wirtschaftssystem der Gewinn in der Hand eines Einzelnen, kommt dieser dagegen im Stamm jedem Stammesmitglied gleichermaßen zu Gute. Beruht das kapitalistische System auf jährlicher Wachstumssteigerung, geht es dem Stamm hingegen darum, seine Mitglieder zu ernähren und ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Man kann sich das ganze als Kurve verdeutlichen: die der kapitalistischen Produktion wächst exponentiell (so zumindest die Ideologie), die des Stammes wächst lediglich mit der Anzahl der Stammesmitglieder, die zu versorgen sind.
Daniel Quinn hat diese Vorstellung des Wirtschaftens im Begriff des „Making a Living“ wunderbar zusammengefasst. Wie grundlegend dieses „Making a Living“ – oder eben „Wirtschaften“ ist, – soll hier stellvertretend das folgende Zitat aus seinem Buch Beyond Civilization: Humanity’s Next Great Adventure illustrieren:
“People sometimes react to my proposals as though there were something slightly distasteful and superfluous about the whole idea of “making a living” – tribally or otherwise. They seem to feel that if the New Tribal Revolution is all it´s cracked up to be, then we shouldn`t have to “make a living” at all, we should be able to live like the birds of the air.
Exactly so. That`s the whole point, you might say.
Their misunderstanding isn´t about the New Tribal Revolution; it´s about the birds of the air. Sparrows may be “free as birds”, but this doesn`t mean they don`t have to make a living. On the contrary, every living thing on earth has to do this. Gnats, geese, dolphins, chimpanzees, spiders, and frogs all have to expend energy to get what they need to stay alive. There is no creature that spends its life just lying there inert while needed resources flow in and do the work of keeping it alive. [...]
The tribe, in fact, is just a wonderfully efficient social organization that renders making a living easy for all – unlike civilisation, which renders it easy for a privileged few and hard for the rest.”
(Quelle: Daniel Quinn, Beyond Civilization: Humanity’s Next Great Adventure, Three Rivers Press 1999, S. 154)
Wie ein Wirtschaften auf Stammesebene heute umsetzbar ist, darüber werde ich in später folgenden Artikeln berichten.
Eure Zuzsa
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